02.02.2016

„Als Liberaler muss man die Kraft der 68er anerkennen“

Neuer Bundesvorsitzende: Johannes Dallheimer (Foto: privat)

Neuer Bundesvorsitzender: Johannes Dallheimer (Foto: privat)

Johannes Dallheimer wurde auf der Bundesmitgliederversammlung der liberalen Hochschulgruppen Mitte Januar zum neuen Vorsitzenden gewählt. Mit dem Nürnberger sprachen wir über seine Prioritäten für den Verband, die Logodebatte und, woher er seine Inspiration nimmt.


Du bist gerade zum Bundesvorsitzenden gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch! Welches Thema hat für dich die wichtigste Priorität?

Neben dem 10-Punkte-Plan, den ich schon vor ein paar Wochen vorgelegt habe, ist mir vor allem eine bessere Kommunikation nach innen und außen wichtig. Viele Ortsgruppen sind nicht davon überzeugt, dass ihnen der Bundesvorstand von Vorteil ist. Es gab zu oft Streit in den Gruppen, der niemandem etwas bringt. Im persönlichen Gespräch haben mir viele Leute gesagt, dass sie nicht genau wissen, warum sie nicht eigentlich austreten. Die Stärken des Bundesverbandes hervorzuheben, dabei müssen wir unbedingt besser werden.

Was willst du gegen dieses Problem tun?

Ich habe versprochen, persönlich oder mit einem Stellvertreter jede Gruppe im Bundesverband zu besuchen. Ich möchte mir vor Ort anhören, welche Sorgen unsere Mitglieder haben, aber auch welche Erwartungen sie an den Bundesvorstand haben.

Das ist auch ein Stück des Leitbildprozesses. Die Fragen, die wir den Ortsgruppen stellen wollen, sind: „Wie seht ihr euch selber? Wie seht ihr den Bundesverband? Wie seht ihr das Verhältnis zu FDP und JuLis?“ Letztlich können wir hierbei auch über das neue Logo sprechen.

Gibt es eine Art Fahrplan für den Leitbildprozess?

Diesen Prozess hat die Bundesmitgliederversammlung jetzt eingeläutet. Erst an dessen Ende wird die Logodebatte stehen. Die genauen Eckpunkte für den Leitbildprozess werden wir auf der nächsten Bundesvorstandssitzung besprechen. Wir wollen sicherstellen, dass sich möglichst viele Leute beteiligen.

Das neue Logo hast du ja schon angesprochen. Es ist ja immer schwierig eine neue Marke zu etablieren. Ist ein neues Logo deiner Meinung nach wirklich nötig?

Ja, wir brauchen ein neues Logo. Natürlich haben wir uns an das aktuelle Logo gewöhnt. Aber nach zwanzig Jahren ist es Zeit für ein neues, frisches Auftreten, denn auch der LHG hat sich verändert. Wenn wir alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben, werden wir am Ende des Jahres einen radikalen Wandel vollbracht haben. Ein neues Logo kann dann nach innen unsere wiedergefundene Motivation versinnbildlichen und nach außen ein entsprechendes Signal senden.

Du sprichst von radikalem Wandel. Meinst du damit vor allem eine bessere Kommunikationskultur oder soll es auch inhaltliche Veränderungen geben?

Über Themen entscheidet der Bundesvorstand nicht. Zwar kann der Vorstand auch einen Antrag schreiben, aber der wird „gemüllert“, wie jeder andere auch. Inhalte kommen von der Basis. Wir wollen aber das Format unserer Veranstaltungen ändern.

In welcher Art?

Auf der nächsten Bundesmitgliederversammlung wollen wir neue Konzepte ausprobieren. Wir wollen unsere Leute wieder begeistern. Es ist mir wieder wichtig, dass unsere Mitglieder sagen: „Ich hab Bock, zu einem Seminar zu fahren. Ich habe Lust, Programmatik zu machen. Ich will gerne neue Leute kennen lernen.“

Du hast schon früh angefangen in liberalen Verbänden Politik zu machen. Du hast bei den Liberalen Schülern Bayern und dem Bezirksverband der JuLis Mittelfranken gearbeitet. Gab es einen Moment in deiner bisherigen Arbeit, der sich besonders inspiriert hat?

[überlegt] Nach der letzten Bundestagswahl hatte ich schon Zweifel, wie das jetzt weitergeht. Alle haben da angefangen schwarz zu sehen und zu sagen, die FDP schafft das nicht. Aber dann kam der Wahlkampf in Sachsen mit den JuLis. Aus allen Landesverbänden waren zahlreiche Menschen gekommen. Der Zusammenhalt und das gegenseitige Mut machen hat mir die Motivation gegeben, zu sagen: „Egal was kommt, ich trete für die liberale Sache ein und auch egal an welcher Front.“

Du hast in deiner Bewerbung geschrieben, dass dich die Tradition der liberalen Studentenbewegungen in Deutschland beeinflusst. Was fasziniert dich daran?

Es gibt ja verschiedene Zeiten, wo liberale Studierende in die Geschichte eingegriffen oder sie sogar geschrieben haben. Schon das Hambacher Fest zeigte ja liberale Tendenzen. Als Liberaler muss man auch anerkennen, wieviel Kraft die 68er entfalten konnten. Obwohl das ja kein liberaler sondern ein linksliberaler bis linker Aufstand war, zeigt er doch, welche Möglichkeiten Studierende haben.

Haben Studierende in unserer heutigen Gesellschaft eine besondere politische Aufgabe?

Das glaube ich schon. Im Allgemeinen sollten Studierende immer eine treibende Kraft in gesellschaftlichen Fragen sein. Denn sie sind noch jung und werden als angehende Akademiker später wichtige Stellen in der Gesellschaft besetzen. Darum ist es wichtig, dass sich die Studierendenschaft politisch engagiert.

Im Moment haben liberale Studierende eine besonders Aufgabe, wo unsere Gesellschaft mit Ängsten von Links und Rechts konfrontiert ist. Universitäten können mit Fakten und Aufklärungsarbeit Abhilfe leisten. Hierbei eine deutliche Stimme zu sein, ist die Aufgabe der Liberalen.

Müssen die Liberalen dafür auch alte Gräben überwinden?

Die liberale Familie sollte immer zusammenstehen. Andere Parteien haben auch ein weitverzweigtes und großes Vorfeld. Aber bei den Liberalen zerstreitet sich das Vorfeld immer gern. Der alte Satz muss immer wiederholt werden, dass die Gegner der Liberalen außerhalb der liberalen Familie stehen. Die Rivalitäten zwischen LHG, JuLis und FDP sind kontraproduktiv.

Können wir voneinander lernen?

Es ist doch wunderschön, dass wir so viele verschiedene Stimmen haben. Der offene Diskurs ist dabei besonders wichtig. Niemand wird bei uns ausgegrenzt, weil seine Meinung nicht „mainstream-liberal“ ist

Ein schöner Bindestrich-Liberalismus!

[lächelt] Diese Kühnheit, auch einmal andere Stimmen zu zulassen, halte ich für eine Stärke der LHG. Denn die FDP und JuLis sind ja doch eher hierarchisch geprägt.

Es ist im Journalismus üblich, einem neuen Amtsinhaber erst einmal hundert Tage zu gönnen, um sich in Abläufe einzuarbeiten und mit seinen Leuten zu sprechen. Hast du für die nächsten 100 Tage einen Wunsch?

Ich kann den Verband nur dann ändern, wenn man mich auf Probleme hinweist. Nur so kann ich alles richtig bewerten. Ich hoffe, dass unsere Mitglieder mir in den nächsten hundert Tagen ehrlich ihre Probleme, aber auch das ein oder andere Lob zukommen lassen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei deiner Arbeit!

Das Interview führte Simon Hartmann