27.04.2016

Lindner für faires Gebührenmodell

Christian Linder auf dem Parteitag der FDP NRW (foto: privat).

Christian Linder auf dem Parteitag der FDP NRW (foto: privat).

Auf dem Landesparteitag der FDP hat sich Parteichef Christian Lindner zu Studiengebühren bekannt. LHG-Chef Simon Kell fordert ein sozial-gerechtes Gebührenmodell. Von Simon Hartmann

Lieber faire Gebühren für ein gutes Studium, als ein schlechtes Studium umsonst!„, so brachte Lindner seine Überzeugung auf den Punkt. Die Landesregierung habe es versäumt die Finanzmittel, die durch die Abschaffung der Studiengebühren weggefallen sind, auszugleichen. Das habe zur Folge, dass die Universitäten immer weniger Geld für ihre Studierenden aufbringen können, etwa für Tutorien, Einzelbetreuung ober Öffnungszeiten von Bibliotheken.

Simon Kell, der Landsvorsitzende der LHG Nordrhein-Westfalen, fordert indes die FDP auf, ihre Programmatik weiterzuentwickeln. „Die Schwächen der alten Studiengebühren sind offensichtlich. Wer Studierende während ihrer Ausbildung belastet, sorgt dafür, dass sie arbeiten gehen, statt sich auf ihr Studium zu konzentrieren. Das bedeutet nicht nur weniger Freiheit für den Einzelnen, sondern zieht auch das Studium unnötig in die Länge.“

Absolventen-Solidarbeitrag statt Studiengebühren

Dennoch hält Kell an Studiengebühren fest. Ein gebührenfinanziertes Studium sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: „Akademiker verdienen in ihrem späteren Berufsleben viel mehr als Nicht-Akademiker. Warum soll denn eine Kassiererin mein Studium bezahlen? Ich finde das äußerst ungerecht!“

Die LHG Nordrhein-Westfalen hat daher das Modell des „Absolventen-Solidarbeitrages“ entwickelt. Es sieht zum einen vor, dass die Gebühren nachgelagert werden. Damit wird gewährleistet, dass sich Studierende voll auf ihr Studium konzentrieren könne und erst als Absolventen, wenn sie im Beruf stehen, ihre Gebühren abbezahlen können.

Zum anderen schlägt die LHG Nordrhein-Westfalen eine Sozialkomponente vor. Hiernach sollen nur diejenigen Akademiker, die mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung verdienen, zur Kasse gebeten werden. „Diese Klausel ist uns besonders wichtig“, erklärt Kell: „Hiermit wollen wir zum einen gewährleisten, dass niemand von zu hohen Gebühren vom Studium abgeschreckt wird. Zum anderen sollen dann auch nur diejenigen Akademiker ihren fairen Beitrag zahlen, die es sich auch leisten können.“

Praktiker bringen Expertise ein

Auf dem Landesparteitag wurde der Startschuss für die Arbeiten am Wahlprogramm gegeben. In so genannten „Ideenlaboren“ konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die ersten programmatischen Vorschläge diskutieren. Kell, der sich selber an einem Ideenlabor beteiligt hat, steht den Arbeitsgruppen positiv gegenüber: „Hier können wir Studierendenvertreter aus unserer Erfahrung heraus praktischen Lösungsansätze vorschlagen.“ Den Absolventen-Solidarbeitrag in das Wahlprogramm der FDP zu bringen, werde jetzt die Aufgabe sein.


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